Sumpfohreule

Sumpfohreule

Asio flammeus

Merkmale





Text von Karl-Heinz Graef

Die Sumpfohreule ist mit einer Größe von 36-38 cm etwa so groß wie eine Waldohreule. Beide Arten ähneln sich auch stark, jedoch sind bei der Sumpfohreule die „Federohren“ nur sehr kurz und kaum zu erkennen. Die schwefelgelbe Iris und die schwarze Umrandung der Augen im sonst hellen Gesichtsschleier, sowie die stets nur längsgestreifte Unterseite sind jedoch eindeutige und gute Unterscheidungsmerkmale. Die Grundfarbe des Gefieders ist rostgelb, oberseits mit einem groben Muster von breiten dunkelbraunen Flecken, unterseits ist sie heller weißlichgelb mit dunkelbraunen Schaftstrichen, die bauchwärts immer schmaler werden. Die Füße und Zehen sind pelzartig dicht weißlichgelb befiedert. Es gibt sowohl recht dunkle, stark gefleckte als auch wesentlich hellere gefärbte Vögel. Im Flug fallen die hellen Unterseiten der langen, schlanken Flügel auf, die nur an der Spitze und am Flügelbug dunkel schwarzbraun sind.

Fortpflanzung

Schon ab Mitte März vollführt das Männchen den ganzen Tag über lebhafte Balzflüge. Die Sumpfohreule brütet auf dem Boden und hat im Vergleich zu den anderen Eulenarten einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Nestbautrieb, bei dem Halme und Schilfblätter eingetragen werden. Ab etwa Anfang April legt das Weibchen in zwei Tagesabständen 4-7, in Mäusegradationsjahren auch bis zu 12 Eier. Das Gelege wird ab dem ersten Ei nur vom Weibchen etwa 26 Tage bebrütet. Der Altersunterschied unter den einzelnen Geschwistern einer Brut kann daher 2-3 Wochen betragen. Bereits im Alter von 17-18 Tagen beginnen die Jungen aus dem Nest zu krabbeln und die nähere Umgebung zu erkunden. Mit etwa 25 Tagen können bereits kleinere Strecken geflattert werden, sicheres Fliegen gelingt aber erst mit etwa 35 Tagen. Im Alter von etwa 7 Wochen werden erste Beutetiere erbeutet.

Lebensraum



Die Sumpfohreule liebt weite, offene Landschaften mit niedriger aber deckungsreicher Vegetation. Sie brütet bevorzugt in feuchten, sumpfigen Niederungen, Mooren und Verlandungszonen aber auch in den Dünenlandschaften der Küsten. In Deutschland heute fast nur noch in Dünen auf Inseln im Wattenmeer. In Jahren mit Massenvorkommen von Feldmaus und/oder Erdmäusen kann es in Deutschland auch zu Einflügen, mit anschließenden Bruten, im Binnenland kommen, wenn in den normalen Brutgebieten in Norden und Osten Europas schwache Nagerpopulationen vorhanden sind. In Einflugjahren werden auch artenarmes Wirtschaftsgrünland und artenreiches Extensivgrünland besiedelt. In anderen Ländern wurden Sumpfohreulen aber auch schon in trockenen Heide-, Gras- und Steppenlandschaften gefunden. Die Brutplätze können mitunter auch in Getreidefeldern und gelegentlich auf Kahlschlägen sein.

Nahrung

Hauptbeutetiere der Sumpfohreule sind mit über 90% Wühlmäuse, und hier vor allem Feld- und Erdmäuse. Bei nicht ausreichender Verfügbarkeit werden auch andere Kleinsäuger und Kleinvögel und vereinzelt auch Insekten erbeutet. Sie jagt überwiegend in der frühen Dämmerung aber auch tagsüber kann sie oft beim weihenähnlichen gaukelnden Suchflug beobachtet werden.

Gefährdung

Die Sumpfohreule war ursprünglich in den Flußniederungen und Moorgebieten Mitteleuropas weit verbreitet und besonders in Wühlmausgradationsjahren nicht selten. Erst durch die umfangreichen Entwässerungs- und Kultivierungsmaßnahmen dieser Biotope hat sich ihr Lebensraum in den letzten Jahrzehnten sehr drastisch geändert. Wiesenbruten werden immer wieder durch die frühe Mahd und den Einsatz von Kreiselmähern zerstört. Die Sumpfohreule steht europaweit auf allen „Roten Listen“ der gefährdeten Vogelarten.

Schutzmaßnahmen

Der beste und sinnvollste Schutz für die Sumpfohreule besteht darin, dass die wenigen noch vorhandenen geeigneten Lebensräume erhalten und nach Möglichkeit unter Schutz gestellt werden sollten. Die Renaturierung ehemaliger inzwischen trockengelegter und stark verbuschter Moorgebiete durch die Wiederherstellung des Wasserhaushalts und der typischen Flora kann neuen Lebensraum schaffen. Bei der Mahd sollte auf abfliegende Sumpfohreulen geachtet werden und der Termin der ersten Mahd sollte nach Möglichkeit etwas später erfolgen. Eulenschützer richten nach Möglichkeit, in Absprache mit dem örtlichen Landwirt, eine Schutzzone im Radius von rund 40 m bzw. einer Fläche von 70 X 70 m um den Brutplatz ein, welche erst nach ausfliegen der Jungeulen gemäht wird. Die Landwirte erhalten dafür Ausgleichszahlungen.

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Zuletzt geändert:: 2020/05/10 00:53
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