Portrait

Gerold Schlosser

GEROLD SCHLOSSER wurde am 8. August 1941 in Dresden geboren. Knapp fünf Jahre wohnte er mit seiner Mutter in Müglitz, Gemeinde Voitsdorf in Böhmen, Sudetenland, unmittelbar an der Grenze zu Sachsen. Nach der Vertreibung im Mai 1946 und der Fahrt mit Güterwaggons in eine ungewisse Zukunft über Bamberg und Coburg, gelangten sie nach Trübenbach im Coburger Land. An der dortigen Dorflinde suchten die Landwirte Arbeitskräfte für ihre Betriebe. So landeten die SCHLOSSERs auf einem Bauernhof und mussten mit weiteren Vertriebenen die Küche teilen. Das Schlafzimmer war aber erfreulicherweise separat! Leider wartete GEROLD SCHLOSSER vergeblich auf die Heimkehr des Vaters aus russischer Kriegsgefangenschaft. Er gilt bis heute als verschollen.

Es folgten acht Jahre Volksschule in Trübenbach, wo acht Klassen in einem Raum das Notwendige für das spätere Leben erlernten. Was ihn dabei entscheidend geprägt hat, waren die Schulstunden vor Ort im Wald, bei denen er seine Liebe zur Natur entwickelte.

Im Nachbarort begann er eine Lehre zum Schreiner, wo er im Betrieb im Laufe seines Arbeitslebens alle Stationen vom Lehrling bis zum Meister absolvierte. Mit dem Werkstoff Holz hatte er wiederum sehr viel Natur um sich.

Es fiel ihm daher auch nicht schwer, sich mit dem Bau von Nisthilfen für Kleinhöhlenbrüter zu befassen. Diese wurden nicht nur im Ort angebracht, sondern auch im Wald und der Besatz mit den entsprechenden Kontrollen dokumentiert.

Nach Familiengründung und Eigenheimbau fertigte er den ersten Kasten für den Waldkauz und brachte diesen am Rande eines Feldgehölzes an. Als darin dann ein Rauhfußkauz eine erfolgreiche Brut absolvierte, war die Freude riesengroß, und als er dann Anfang der achtziger Jahre die ersten Schleiereulen in den Händen hielt, war für ihn die Entscheidung klar, verstärkt im Eulenschutz tätig zu werden. Einmal Eule immer Eule!!! Nach anfänglichen Erfolgen mit Nisthilfen für den „Rauz“ in der Region war auch der Einsatz für die Schleiereule sehr wichtig, denn im Jahre 1985 waren nachweislich nicht mehr als 2-3 Brutpaare im Coburger Land vorhanden. Kein Wunder, denn bei Kontrollgängen wurde festgestellt, dass etwa 90% der Kirchtürme gegen die verwilderten Haustauben vergittert waren.

In den meisten Fällen konnte er mit seinen Mitstreitern die Pfarrer und Kirchgemeinderäte davon überzeugen, dass der Einbau von Nisthilfen für Schleiereule und Co. eine sinnvolle Sache ist. Mittlerweile sind es über 200 Nistkästen, welche mit gutem Erfolg von Eulen, Turmfalken oder Dohlen besetzt sind. Der Sponsor, der Chef der Firma Habermass in Bad Rodach, hat die „Arbeitgruppe Eulenschutz Coburg“ hierbei beispielhaft unterstützt und lässt bei Bedarf die Nisthilfen in seiner Lehrlingswerkstatt nach Vorgaben anfertigen, so auch die von GEROLD SCHLOSSER entwickelte Schleiereulen-Nisthilfe „Coburg“. Das Jahr 2001 war das erfolgreichste Jahr bei der Schleiereule mit 55 Bruten und fast 300 flüggen Jungen.

Doch auch anderen Eulenarten wird genügend Augenmerk gewidmet. Dem Waldkauz stehen 20 Nistkästen und zudem ausreichend Naturhöhlen zur Verfügung. Brutnachweise werden, wie auch bei der Waldohreule, eher sporadisch erfasst. Der Sperlingskauz wird seit 1990 jährlich als Brutvogel nachgewiesen und der Uhu ist mit 2-3 Brutpaaren ebenfalls präsent. Das Jahr 2011 soll das Jahr des Steinkauzes werden, denn die im Nachbarlandkreis erfolgten Brutnachweise sowie beständige Sichtnachweise im eigenen Kreis geben berechtigte Hoffnung, den jahrzehntelang verschollenen Steinkauz mit entsprechenden Niströhren wieder ansiedeln zu können.

Die im Jahre 1985 von GEROLD SCHLOSSER begonnene Arbeit im Eulenschutz hat sich in den vergangenen 25 Jahren bewährt und war sehr erfolgreich. Mit ihren rund 10 Mitarbeitern setzt sich die „Arbeitsgruppe Eulenschutz Coburg“ weitgehend flächendeckend für das Wohl der Eulenarten im Coburger Land ein.

In einer Feierstunde am 24. Oktober 2010 wurde das 25-jährige Bestehen der Arbeitsgruppe im Naturkundemuseum Coburg gewürdigt. In einer entsprechenden Ausstellung des Hauses, wurde bis Ende des Jahres 2010 schwerpunktmäßig auf die Eulen eingegangen.

Karl-Heinz Graef, 2011 im Eulen-Rundblick 61: 105

Pdf-Version